TSA liefert Elektromotoren für das größte Schieneninfrastruktur-Projekt Europas
Der Bau des Grand Paris Express ist Teil des größten Infrastruktur- und Entwicklungsprojekts in Europa. Damit dieses Vorhaben durchgeführt werden kann, ist der Einsatz von Instandhaltungsfahrzeugen unumgänglich. Diese servicieren die Schieneninfrastruktur, Oberleitungen, Oberleitungsmasten, Weichen, Tunnel und mehr – auch schon in der Bauphase. Nachdem das französische Unternehmen Socofer den Auftrag für die neuen Wartungsfahrzeuge Ende 2022 für sich gewinnen konnte, wurde Traktionssysteme Austria wenige Monate später mit der Entwicklung und dem Bau der Elektromotoren und Radsatzgetriebe für die Fahrzeuge beauftragt.
Traktionssysteme Austria, Weltmarktführer in der Entwicklung und Produktion von Traktionsantrieben für Schienen- und Straßennutzfahrzeuge, wird für das Projekt somit die Elektromotoren vom Typ TMF 64A-36-6 und die Radsatzgetriebe vom Typ GFT 1-48-446 nach Frankreich liefern. Der Basisauftrag für die Linien 15, 16 und 17 beinhaltet 17 Lokomotiven von Socofer mit insgesamt 68 TSA-Antrieben. Darüber hinaus wird Socofer vier Lokomotiven für die Linie 18 liefern, ausgestattet mit 16 TSA-Motoren des Typs TMW 45A-20-6. SGP (Société des grands projets) behält sich vor, in Zukunft weitere Fahrzeuge zu bestellen.
„Die besondere Herausforderung bei diesem Auftrag waren der straffe Zeitplan und die thermische Auslegung der Komponenten, da die Wartungslokomotiven sowohl mit hohen als auch extrem niedrigen Geschwindigkeiten fahren werden“, so Johannes Mensdorff-Pouilly, Leitung Vertrieb – RAIL.ROAD.SERVICE. bei Traktionssysteme Austria.
Im Arbeitseinsatz beträgt die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit der Fahrzeuge 0,7 km/h. Im Gegenzug sind bei Überstellungsfahrten auch Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h möglich. Bei hohem Tempo werden die Lokomotiven auf den Linien 15, 16 und 17 über eine Oberleitung mit einer Spannung von 15 kV und auf der Linie 18 über eine dritte Schiene mit Strom versorgt. Während des Arbeitsbetriebes und auch bei Fahrten vom Depot zum Arbeitsort operieren sie mit Lithium-Ionen-Batterien. Bei den Lokomotiven handelt es sich daher um Dual-Mode-Fahrzeuge. Die ersten Testmotoren wurden von Traktionssysteme Austria im Februar 2025 ausgeliefert, die ersten 4 Serienantriebe folgten dann im Herbst.
TSA-Elektromotoren weltweit im Einsatz
Die Elektromotoren des österreichischen Unternehmens Traktionssysteme Austria mit Hauptsitz in Wiener Neudorf sind neben Städten wie Paris, Mailand und Berlin in knapp 70 Ländern weltweit im Einsatz. Mit über 60 Jahren Erfahrung in der Konstruktion und Produktion von Traktionssystemen für Schienen- und Straßennutzfahrzeuge und rund 90.000 ausgelieferten Motoren, hat sich TSA zum Weltmarktführer etabliert.
Von der Straßenbahn über Hochgeschwindigkeitszüge und Metros bis hin zu E-Bussen – von Brüssel bis Manila, vom Polarkreis bis zum Äquator – Traktionssysteme Austria ermöglicht Mobilität rund um den Globus. Ob steile Steigungen im Stadtverkehr oder die Überwindung von unwegsamen Landstraßen –Traktionsmotoren von TSA bewegen Millionen von Menschen und Tonnen von Gütern täglich von A nach B
„Wir sind stolz darauf, dass unsere Elektromotoren in so vielen Fahrzeugen weltweit zum Einsatz kommen. Obwohl es viele gar nicht wissen, sind wir der Antrieb, der Millionen von Menschen und Gütern jeden Tag bewegt“, so Robert Tencl, Geschäftsführer von Traktionssysteme Austria. „Um diese Vorreiterstellung weiter auszubauen, investieren wir laufend in unseren Standort in Niederösterreich und in die Entwicklung unserer Produkte. Unser Ziel ist es unter anderem, Niederösterreich als Industriestandort zu stärken und zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Bis ins Jahr 2030 sind daher Investitionen in Höhe von insgesamt 35 Millionen Euro für Projekte und Prozessoptimierungen, sowie die Erweiterung des Standorts in Richtung „TSA-City“ geplant“.
Grand Paris Express – Das größte Projekt im öffentlichen Verkehr in ganz Europa
Das Grand-Paris-Express-Projekt, in den Medien auch „Projekt des Jahrhunderts“ genannt, ist das bisher größte Vorhaben dieser Art in Europa. Errichtet wird ein vollständig automatisiertes Metrosystem – die „supermétro automatique régional“. Schon jetzt zählt das Pariser Metronetz als viertgrößtes in Europa. Mit dem Bau von 200 km zusätzlicher Strecken und Streckenabschnitten mit 68 neuen Stationen wird sich das Verkehrsnetz fast verdoppeln und sogar die Londoner Underground übertreffen. Die neuen Schienenstrecken werden Paris zukünftig kreisförmig umfahren und insbesondere Randbezirke an das öffentliche Verkehrsnetz anbinden. Vier Linien werden dafür neu gebaut. Die bestehende Linie 14 wurde erweitert und ist bereits in Betrieb.
Die neue Linie 15 wird komplett unterirdisch verlaufen und Paris als Ringlinie außerhalb der Stadtgrenze umrunden. Zwischen 2027 und 2031 wird die Strecke schrittweise in Betrieb genommen, wobei sie schlussendlich eine Gesamtlänge von 75 km haben und somit die längste U-Bahn-Linie Frankreichs sein wird. Mit der Linie 16 werden der Norden und Osten von Paris miteinander verbunden. Teilabschnitte dieser Strecke werden mit anderen U-Bahn-Linien geteilt. Gleiches gilt für die neu gebaute Linie 17, auch hier werden Teilstrecken anderer Linien mitgenutzt. Die westlichen Teile von Paris wird Linie 18 befahren, deren Inbetriebnahme für Ende 2026 geplant ist.
Auftraggeber des Megaprojekts mit einem Auftragsvolumen von geschätzt mehr als 35 Milliarden Euro ist SGP, die mit diesem Vorhaben jährlich 15.000 Arbeitsplätze schaffen möchte. Der soziale und wirtschaftliche Nutzen wird, unter Berücksichtigung aller Stadtentwicklungsprojekte und begleitender Maßnahmen, auf eine Summe von fast 80 Milliarden Euro geschätzt.